9-Felder-Modell
Drei Zeitzonen, drei Ebenen, neun Felder: eine Hintergrundmatrix, mit der sich ein Beratungsprozess durch Problem, Ressourcen und Lösung navigieren lässt — ohne dem Klientensystem die Lösung abzunehmen. Silvia Vater erklärt das Modell von Joseph Rieforth in sechs Folgen.
Die Videoreihe: sechs Folgen, ein Modell
Das Neunfeldermodell stammt von Joseph Rieforth. Silvia Vater, seit rund zwanzig Jahren in der systemischen Lehre tätig, stellt es in dieser Reihe vor, weil es ihre eigene Arbeit nachhaltig geprägt hat. Ihre Einordnung ist deutlich: Es ist kein Werkzeug für ein einzelnes Format, sondern ein Basic — für systemische Beratung und Therapie ebenso wie für Organisationsentwicklung und Coaching, und auch in Konfliktfällen gut zu gebrauchen.
Der Grund für das Modell liegt in der systemischen Rolle. Wer systemisch arbeitet, versteht sich als Prozessbegleitung und nicht als Fachberatung, die die Lösung fertig mitbringt. Das Klientensystem soll darin bestärkt werden, die Lösung in sich selbst zu finden — das Ziel ist Selbstwirksamkeit. Dafür braucht es eine Landkarte, auf der man sich im Gespräch orientieren kann. Genau das ist die Hintergrundmatrix aus drei Zeitzonen (Vergangenheit, Hier und Jetzt, Zukunft) und drei Ebenen (Problem, Ressourcen, Lösung): Jede Ebene lässt sich in jeder Zeitzone befragen, drei mal drei ergibt neun Felder. Konstruktivistisch gedacht hat jedes Problem einen Kontext aus Gegenwart, Entstehungsgeschichte und Zukunft; die Fragen in den Feldern verflüssigen diesen Kontext, statt ihn zu verfestigen.
Die sechs Folgen bauen aufeinander auf und sind zusammen etwa siebzig Minuten lang. Der Trailer (Folge 0) ordnet ein, die Übersicht (Folge 1) spannt die Matrix auf. Dann werden die drei Ebenen einzeln durchgearbeitet — und zwar bewusst in der Reihenfolge Problem, Lösung, Ressourcen (Folgen 2 bis 4): Die Vergangenheit der Lösungsebene legt frühere Strategien frei, und aus diesen Strategien rutscht man fast von selbst zu den Ressourcen. Die Abschlussfolge (Folge 5) verbindet die Ebenen zu einem erprobten Weg durch die Felder. Wer das Modell schon kennt, kann direkt bei Folge 2 einsteigen; wer es in der Praxis anwenden will, sollte Folge 5 nicht auslassen. Wählen Sie rechts neben dem Player eine Folge — Einordnung, Kerngedanken und Praxishinweise darunter wechseln mit.
Ausgewählt: Folge 0 · Trailer: Worum es geht — Der Player lädt erst nach dem Klick.
Trailer: Worum es geht
ca. 2 MinutenEinordnung
Der Auftakt der Reihe. Silvia Vater stellt sich vor, benennt das Modell und seinen Urheber und begründet, warum es für alle systemischen Formate ein Basic ist. Das Modell selbst wird hier noch nicht erklärt — dafür ist Folge 1 da.
Kerngedanken
- Das Neunfeldermodell ist eine Hintergrundmatrix, um sich in der systemischen Welt leichter zurechtzufinden.
- Es passt zu jedem Format: Beratung, Therapie, Organisationsentwicklung, Coaching — und auch in Konfliktfällen.
- Systemisch Arbeitende sind Prozessbegleitung, keine Fachberatung, die die Lösung fertig mitbringt. Das Klientensystem findet die Lösung in sich selbst.
Praxishinweise
- Zum Nachlesen empfiehlt Silvia Vater das Buch von Joseph Rieforth: Triadisches Verstehen in sozialen Systemen. Gestaltung komplexer Wirklichkeiten (Carl-Auer Verlag). Außerdem nennt sie einen Zeitschriftenbeitrag zum Modell; der Titel der Zeitschrift bleibt im Video offen.
Einordnung
Die eigentliche Einführung in das Modell. Hier entsteht das Raster, das die Folgen 2 bis 4 anschließend Ebene für Ebene ausfüllen. Wer nur eine Folge sehen kann, sollte diese wählen.
Kerngedanken
- Senkrecht drei Zeitzonen — Vergangenheit, Hier und Jetzt, Zukunft; waagerecht drei Ebenen — Problem- oder Herausforderungsebene, Ressourcenebene, Lösungs- oder Wunschebene. Drei mal drei macht neun.
- Die Ressourcenebene liegt in der Mitte; jede Ebene kann in jeder Zeitzone befragt werden.
- Konstruktivistische Begründung: Ein Kontext besteht aus Hier und Jetzt, Vergangenheit und Zukunft. Wer ihn in allen drei Zeitzonen befragt, verflüssigt ihn.
- Ressourcenorientierung ist humanistisches Erbe — Systemikerinnen und Systemiker haben es nicht erfunden, legen aber einen besonderen Fokus darauf. Ressourcen sind Menschen, Eigenschaften, Fähigkeiten oder Institutionen.
- Zukunftskonstruktionen wirken sofort: Wer sich ein Szenario erlaubt, in dem es schon geschafft ist, erlebt einen unmittelbaren Effekt im Gehirn. Ziel des Ganzen ist, Menschen wieder in die Selbstwirksamkeit zu bringen.
Praxishinweise
- Problemebene, Zukunft: Was müsste wer dafür tun, dass zukünftig alles so bleibt, wie es ist?
- Lösungsebene, Zukunft (Futur II): Mal angenommen, es gäbe eine sehr geniale Lösung — wie könnte die jetzt schon aussehen?
- Ressourcenebene, Vergangenheit: Welche Ressourcen sind im System versteckt?
- Ressourcenebene, Zukunft: Angenommen, Sie haben neue Fähigkeiten entwickelt, die künftig hilfreich sind — welche wären das?
Einordnung
Die erste Ebenenfolge — und zugleich die Werkzeugkiste der Reihe. Beim Gang durch die Problemebene führt Silvia Vater die Techniken ein, die später auf allen Ebenen wiederkehren: zirkuläre Fragen, Personifizierung, Metaphern und Reframing, Subsystem-Vergleichsfragen, Verschlimmerungsfragen.
Kerngedanken
- Was im ersten Satz präsentiert wird, ist selten schon das Anliegen. Ein Anliegen hat Schichten; deshalb rund um das Problem fragen, statt es sofort aufzunehmen.
- Die Zeitform folgt der Zeitzone: im Hier und Jetzt Präsens, in der Vergangenheit Vergangenheitsform.
- Zirkuläre Fragen sind Billard über Bande: Über andere zu sprechen senkt die Hemmschwelle für das, was man sich selbst noch nicht erlaubt.
- Personifizierung schafft Abstand zur Problemtrance — manchmal sogar ein Schmunzeln.
- Metaphern wie Geburt und Geburtshelfer oder Architektinnen und Reißbrett führen weg von Schuldzuweisung und öffnen einen neuen Denkraum. Vorher prüfen, ob der Kontext sie trägt.
- Probleme haben Nutzen: Sie können Rollen und Identitäten stabilisieren — etwa bei jemandem, der bis zur Pensionierung keine Veränderung mehr will.
- Verwirrte Gesichter sind kein Fehler, sondern das Zeichen, dass jemand gerade Abstand nimmt. Und: Der Zweck der Fragen ist nicht Informationsgewinn, sondern Räume zu öffnen. Wo hingefragt wird, muss im Klientensystem ein Licht angehen.
Praxishinweise
- Hier und Jetzt: Was genau hat Sie heute hierhergebracht? Fühlt es sich wie ein Problem an oder wie mehrere? Wer sieht es genauso, wer ganz anders? Wer gehört dazu, den Sie noch nicht mitgedacht haben? Und wenn das Problem sprechen könnte — was würde es uns erzählen?
- Vergangenheit: Wann wurde das Problem geboren, wer war bei der Geburt dabei? Wer hat es mitentworfen? Wer hat sich damals die Hände gerieben, wer wusste schon, dass nichts Gutes daraus wird, wem war es egal?
- Zukunft: Angenommen, das Problem bleibt — wie wird es sich verhalten? Was müssten Sie persönlich tun, damit es größer wird? Wer wird erfreut sein, wenn alles so bleibt, für wen hat das einen Nutzen?
- Nach vielen Fragen darf sich das Klientensystem ein Szenario aussuchen, mit dem es gut zurechtkommt.
Einordnung
Baut direkt auf Folge 2 auf und verweist bereits auf die Ressourcenfolge. Neu sind das Yes-Set, die bewusste Wahl zwischen abgeschlossener und offener Zukunft und das Abholen ins Hier und Jetzt mit dem ersten kleinen Schritt. Silvia Vater betont, dass sie hier die reine Ebene zeigt, nicht die Vorgehensweise.
Kerngedanken
- Die Lösungsebene heißt auch Wunschebene. Erste Ideen entstehen oft schon, während das Problem erkundet wird.
- Beim Blick ins Umfeld bewusst wohlwollende Menschen wählen — nicht die, die man ohnehin nicht sympathisch findet.
- Ungewöhnliche Fragen werden anmoderiert. Silvia Vater über sich: Sie wollte nie solche Fragen stellen — heute kommt sie ohne sie nicht mehr aus.
- In der Vergangenheit geht es ausdrücklich nicht um das aktuelle Problem, sondern um früher gelöste Herausforderungen und die Strategien, die getragen haben.
- Yes-Set: Fragen, die eine Feststellung enthalten, erzeugen Zugewandtheit und Zutrauen. In zwanzig Jahren hat noch niemand gesagt, er habe noch nie ein Problem gelöst.
- Erinnerung legitimiert: Wer damals erst den Rollladen heruntergelassen hat, erhält von sich selbst die Erlaubnis dazu. Die beratende Person muss nichts erlauben, sie steuert nur den Prozess dorthin.
- Abgeschlossene oder offene Zukunft — je nachdem, wie das Klientensystem aufgestellt ist. In die Zukunft reisen kann man nur gemeinsam; ob jemand mitkommt, zeigt der Blickkontakt.
Praxishinweise
- Hier und Jetzt: Welche ersten Lösungsideen haben Sie heute hier schon leise gedacht — auch wenn sie noch nicht spruchreif sind? Wer aus Ihrem Umfeld hat schon zwei, drei Ideen im Gepäck? Und wenn die Problem-Persona sich durch ein Mini-Wunder in eine Lösung verwandelt hätte — was würde sie berichten?
- Vergangenheit: Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie früher schon ganz andere Herausforderungen gelöst haben — welche? Wie haben Sie angefangen, was war die erste Strategie? Wie lange hat es gedauert: zwei Tage, zwei Wochen, zwei Monate? Welche zwei Vorgehensweisen waren am erfolgreichsten — nehmen wir die mit ins Hier und Jetzt?
- Zukunft (Futur II): Die Lösung ist fix und fertig verpackt — was sehen Sie, wenn Sie das Paket öffnen? Wer war an der Lösungsarchitektur beteiligt? Was ist jetzt anders? Wann wurde damit begonnen?
- Zurück im Hier und Jetzt: Was davon ist heute schon da? Und was ist der erste kleine Schritt, den Sie wirklich gehen werden? Oft ein Anruf oder ein Termin — manchmal ist er gerade schon gegangen worden.
- Bei komplexen Aufträgen vorher ein kleines Skript schreiben: welche Fragen auf jeden Fall gestellt werden — und welche eine man sich heute trauen will.
Einordnung
Die dritte und letzte reine Ebenenfolge. Sie beginnt bewusst in der Vergangenheit, greift die Techniken aus den Folgen 2 und 3 auf und dehnt die Personifizierung auf einzelne Eigenschaften aus. Schon hier werden die Ebenen zum ersten Mal miteinander verbunden.
Kerngedanken
- Die ressourcenorientierte Haltung ist humanistisches Erbe; im Modell von Joseph Rieforth hat die Ressourcenebene aber ein Alleinstellungsmerkmal. Es gibt fast nichts Besseres, um Menschen in die Selbstwirksamkeit zu bringen.
- Ressourcen sind Menschen, eigene und fremde Fähigkeiten und Eigenschaften, Institutionen, eine innere Struktur der Annäherung — aber auch äußere, strukturgebende Verfahren wie eine Mindmap oder eine kleine Aufstellung.
- Deshalb die Regel: Immer nach wen oder was fragen, denn manchmal geht es gar nicht um Menschen.
- Die Ebenen sind durchlässig: Von den Lösungsstrategien der Vergangenheit rutscht man fast von selbst zu den Ressourcen.
- Ressourcen verändern sich: Manche werden größer, manche werden künftig nicht mehr gebraucht, weil ein Projekt endet oder ein anderer Lebenszyklus beginnt.
- Auch Eigenschaften lassen sich personifizieren — etwa die eigene Unerschrockenheit.
- Verankern: Sprache ist flüchtig, das haptische Erleben hält. Die wichtigsten Ressourcen mit Stift auf Karten schreiben und mitgeben.
Praxishinweise
- Vergangenheit: Was genau war Ihnen damals behilflich? Welche Unterstützersysteme waren da? Wenn es Menschen waren — wie hießen sie, was haben sie getan? Welche eigenen Fähigkeiten waren nützlich? Und was davon darf jetzt aktiviert werden?
- Hier und Jetzt: Welche der Ressourcen von damals sind jetzt da, welche gerade weniger kraftvoll? Was steht zur Verfügung, worüber wir noch nicht gesprochen haben? Wen oder was braucht es zusätzlich?
- Zukunft: Was wird weiterhin zur Verfügung stehen, was wird sich vergrößert haben? Welche Ressource wird neu entstehen? Welche wird nicht mehr gebraucht? Wer wird Ihnen weiterhin zur Seite stehen — und wer eher nicht? Wie wird sich Ihre Unerschrockenheit entwickelt haben?
- Zum Abschluss zurück ins Hier und Jetzt: Welche fünf Ressourcen brauchen Sie jetzt für den nächsten Schritt? Aufschreiben lassen, Karten mitgeben.
Einordnung
Die Abschlussfolge. Statt einzelner Felder zeigt Silvia Vater einen exemplarischen Weg durch die Matrix, der seit Jahren in ihrer Praxis erprobt ist. Er ist unten im Abschnitt Ein Weg durch die Felder Schritt für Schritt ausgeschrieben.
Kerngedanken
- Es ist eine Möglichkeit, die Ebenen zu verbinden — nicht die Vorgehensweise schlechthin.
- Im Hier und Jetzt des Problems lohnt es sich, lange zu bleiben und alles auszuleuchten: Dort liegen schon viele Hinweise.
- Manchmal zeigt sich schon beim Erkunden des Problems eine Lösungsidee, und man steht unversehens eine Ebene höher.
- Vom Wunsch aus in die Vergangenheit reisen: Wie habe ich mich damals aufgestellt, wer oder was war hilfreich? Dort wartet ein großer Pool an Ressourcen, aus dem man fischen kann.
- Manche Felder kleben aneinander: die Vergangenheit von Lösung und Ressourcen, die Zukunft von Ressourcen und Lösung.
- Mit dem Klientensystem in Resonanz gehen: Reicht das Gesammelte? Wenn nicht, in die Zukunft — und sich von dort ans Hier und Jetzt anschleichen.
- Traut euch: Ob man in die falsche Kiste abgebogen ist, merkt niemand außer einem selbst — man ist der eigene strengste Beobachter.
Praxishinweise
- Problem im Hier und Jetzt ausleuchten, Entstehungsgeschichte erzählen lassen, ein paar paradoxe Zukunftsfragen stellen.
- In den Wunsch springen, von dort Strategien und Strukturen der Vergangenheit erkunden, Ressourcen fischen.
- Zurück ins Hier und Jetzt: Was davon brauchen wir jetzt? Was braucht es noch?
- Bei Bedarf in die Zukunft von Ressourcen und Lösung, dann zurück ins Hier und Jetzt.
Grundidee
Systemisch Arbeitende verstehen sich als Prozessbegleitung, nicht als Fachberatung, die eine fertige Lösung mitbringt. Das Ziel ist, das Klientensystem dabei zu begleiten und zu bestärken, die Lösung in sich selbst zu finden — und es damit wieder in die Selbstwirksamkeit zu bringen. Genau dafür bietet das Neunfeldermodell ein Raster.
Es kombiniert zwei Achsen. Senkrecht stehen die drei Zeitzonen, in denen ein Kontext sich aufspannt: Vergangenheit, Hier und Jetzt, Zukunft. Waagerecht liegen drei Ebenen: die Problem- oder Herausforderungsebene, die Ressourcenebene und die Lösungs- oder Wunschebene. Jede Ebene lässt sich in jeder Zeitzone befragen. Drei mal drei ergibt neun Felder. Ein kleiner Kunstgriff dabei: Die Zeitform der Fragen folgt der Zeitzone — Präsens im Hier und Jetzt, Vergangenheitsform in der Vergangenheit, Futur II in der abgeschlossenen Zukunft.
Der Zweck der Fragen ist nicht in erster Linie, Informationen für die Beratung zu sammeln — das passiert nebenbei. Der Zweck ist, im Klientensystem Räume zu öffnen. Wo gefragt wird, muss innen ein Licht angehen, damit die Frage überhaupt beantwortet werden kann. Erst dieses Anschalten bewegt etwas.
Die neun Felder im Überblick
| Ebene | Vergangenheit | Hier und Jetzt | Zukunft |
|---|---|---|---|
| Lösungs- und WunschebeneFolge 3 | Feld 1Lösungsstrategien und Strukturen, die früher schon einmal getragen haben — bei einer ganz anderen Herausforderung. | Feld 2Erste, auch noch leise Lösungsideen und Wünsche, eigene wie die des Umfelds. | Feld 3Das fertige Lösungsbild in abgeschlossener Zukunft: Wie sieht es aus, wer war beteiligt, was ist dadurch anders? |
| RessourcenebeneFolge 4 | Feld 4Menschen, Eigenschaften, Fähigkeiten, Strukturen und Verfahren, die damals geholfen haben. | Feld 5Was davon heute noch verfügbar ist — und was zusätzlich gerade zur Verfügung steht. | Feld 6Wie Ressourcen sich weiterentwickeln, was neu hinzukommt und was künftig nicht mehr gebraucht wird. |
| Problem- und HerausforderungsebeneFolge 2 | Feld 7Die Entstehungsgeschichte: Wann wurde das Problem geboren, wer war beteiligt, wer hat mitentworfen? | Feld 8Das Anliegen in seinen Schichten: Worum geht es genau, wer sieht es genauso, wer ganz anders? | Feld 9Das Problem als Bleibendes gedacht: Wie verhält es sich künftig, wer hätte einen Nutzen davon? |
Fragen in den Feldern
Problem- und Herausforderungsebene (Folge 2)
Was im ersten Satz präsentiert wird, ist selten schon das Anliegen. Es lohnt sich, rund um das Problem zu fragen, statt es sofort aufzunehmen.
| Zeitzone | Beispielfragen |
|---|---|
| Hier und Jetzt |
|
| Vergangenheit |
|
| Zukunft |
|
Lösungs- und Wunschebene (Folge 3)
In der Vergangenheit geht es hier ausdrücklich nicht um das aktuelle Problem, sondern um frühere, längst gelöste Herausforderungen — und um die Strategien, die dabei getragen haben.
| Zeitzone | Beispielfragen |
|---|---|
| Hier und Jetzt |
|
| Vergangenheit |
|
| Zukunft |
|
Ressourcenebene (Folge 4)
Ressourcen sind Menschen, eigene und fremde Fähigkeiten und Eigenschaften, Institutionen, innere Vorgehensweisen und äußere strukturgebende Verfahren — eine Mindmap oder eine kleine Aufstellung zählen genauso wie ein hilfreicher Mensch. Deshalb immer nach wem oder was fragen.
| Zeitzone | Beispielfragen |
|---|---|
| Vergangenheit |
|
| Hier und Jetzt |
|
| Zukunft |
|
Ein Weg durch die Felder (Folge 5)
Die neun Felder sind eine Matrix, kein Ablaufplan. Die folgende Route ist eine erprobte Möglichkeit, sich zu bewegen — nicht die Vorgehensweise. In der Praxis kleben manche Felder aneinander: die Vergangenheit von Lösung und Ressourcen, die Zukunft von Ressourcen und Lösung. Und es kommt vor, dass sich schon beim Erkunden des Problems eine Lösungsidee zeigt und man unversehens eine Ebene höher steht.
- Problem im Hier und Jetzt ausleuchtenHier ruhig lange bleiben. In diesem Feld liegen bereits viele Hinweise.
- In das Narrativ der Vergangenheit gehenEntstehungsgeschichte, Beteiligte, Konstellationen.
- Paradoxe Zukunftsfragen rund um das Problem stellenVerschlimmerungsfragen und die Frage nach dem Nutzen des Bleibens.
- In den Wunsch springenErste Lösungsideen im Hier und Jetzt hörbar machen.
- Vom Wunsch aus in die Vergangenheit reisenFrühere Lösungsstrategien und die eigene Struktur erkunden.
- Ressourcen der Vergangenheit fischenEin großer Pool, aus dem sich schöpfen lässt.
- Zurück ins Hier und JetztWas davon brauchen wir jetzt? Mit dem Klientensystem in Resonanz gehen: Reicht es schon, oder wirkt es noch dünn?
- Wenn nötig noch einmal in die ZukunftZukünftige Ressourcen und das abgeschlossene Lösungsbild erkunden, dann sich von dort ans Hier und Jetzt anschleichen.
- Den ersten kleinen Schritt festhaltenKonkret und heute machbar. Oft ist es ein Anruf oder ein Termin — manchmal sagen Menschen auch, sie seien ihn gerade eben gegangen.
Fragetypen und Kunstgriffe
| Technik | Was sie bewirkt |
|---|---|
| Zirkuläre Fragen | Über die Anwesenden und die anwesenden Abwesenden gefragt, sinkt die Hemmschwelle. Über andere lässt sich leichter aussprechen, was man sich selbst noch nicht erlaubt — Billard über Bande. |
| Subsystem-Vergleichsfragen | Machen Unterschiede zwischen Beteiligten sichtbar — wer sah es damals wie, wer wird es künftig wie sehen. |
| Verschlimmerungsfragen | Wer beantworten will, was das Problem größer machen würde, muss das eigene Verhalten beobachten — und stößt dabei auf die Frage, ob man es eigentlich erhalten will. |
| Personifizierung | Problem, Lösung, Ressource oder auch eine einzelne Eigenschaft als Person sprechen lassen. Schafft Abstand zur Problemtrance, manchmal sogar ein Schmunzeln. |
| Metaphernräume | Geburt und Geburtshelfer, Architektinnen und Reißbrett: Framings, die weg von Schuldzuweisung und hin zu einem neuen Denkraum führen. Vorher prüfen, ob der Kontext sie trägt — und ungewöhnliche Fragen anmoderieren. |
| Zeitform | Präsens im Hier und Jetzt, Vergangenheitsform in der Vergangenheit, Futur II in der abgeschlossenen Zukunft. Die Grammatik führt das Klientensystem in die Zeitzone. |
| Futur II und offene Zukunft | Die Lösung als bereits abgeschlossen denken (Was ist jetzt anders? Wer war beteiligt?) oder als kommend — je nachdem, wie das Klientensystem aufgestellt ist. Wer sich ein gelungenes Zukunftsbild erlaubt, spürt den Effekt sofort; man sieht es oft schon an der Körperhaltung. |
| Yes-Set | Fragen, die eine Feststellung enthalten: Ich bin mir sicher, Sie haben früher schon ganz andere Herausforderungen gelöst. Praktisch niemand verneint das — und die Zugewandtheit steigt. |
| Verankern | Am Ende die wichtigsten Ressourcen mit Stift auf Karten schreiben lassen. Das haptische Erleben hält, wo Sprache flüchtig bleibt. |
Zur Haltung. Verwirrte Gesichter bei ungewohnten Fragen sind kein Fehler, sondern das Zeichen, dass jemand Abstand zur Problemtrance nehmen muss. Bei komplexeren Aufträgen hilft ein kleines Skript im Vorfeld: welche Fragen auf jeden Fall gestellt werden — und welche eine man sich heute trauen will. Und: Traut euch. Ob man unterwegs in die falsche Kiste abgebogen ist, merkt niemand außer einem selbst.
Zum Ausprobieren
Drei kleine Übungen, die direkt aus der Reihe stammen — für das nächste Gespräch, in dem jemand mit einem Anliegen kommt.
- Vor dem GesprächEin Skript aus fünf FragenWählen Sie für ein konkretes Anliegen je eine Frage aus der Problemebene (Hier und Jetzt), der Problemvergangenheit, dem Wunsch, der Lösungsvergangenheit und den Ressourcen — und dazu die eine Frage, die Sie sich heute trauen wollen. Schreiben Sie sie auf.
- Im GesprächDie Zeitform wechselnAchten Sie bewusst auf die Grammatik: Präsens beim Problem, Vergangenheitsform bei früheren Lösungen, Futur II beim fertigen Lösungsbild. Beobachten Sie, ob Ihr Gegenüber mitkommt — der Blickkontakt zeigt es.
- Zum AbschlussFünf Ressourcen auf KartenFragen Sie nach den fünf Ressourcen, die es jetzt für den nächsten Schritt braucht, und lassen Sie sie mit Stift auf Karten schreiben. Dann den ersten kleinen Schritt festhalten, der heute machbar ist.
Die Autorin
Silvia Vater
Dipl.-Sozialpädagogin · Lehrende am Systemischen Zentrum der wispo AG
Silvia Vater ist seit rund zwanzig Jahren in der systemischen Lehre tätig und unterrichtet am Systemischen Zentrum der wispo AG in Frankfurt am Main. Ihr Schwerpunkt liegt in der neugierigen Erkundung herausfordernder zwischenmenschlicher Situationen, etwa in der supervisorischen Teamarbeit; die Biographiearbeit gilt als ihr Steckenpferd. Gemeinsam mit Roman Hoch hat sie das Kartenset Fragetechnik für systemisches Coaching (Beltz, 2019) veröffentlicht. Das Neunfeldermodell von Joseph Rieforth beschreibt sie als das Modell, das ihre eigene Arbeit am nachhaltigsten geprägt hat.
Profil von Silvia Vater am Systemischen ZentrumQuelle. Redaktionelle Aufbereitung der sechsteiligen Videoreihe von Silvia Vater zum Neunfeldermodell von Joseph Rieforth (Trailer, Übersicht, Problemebene, Lösungsebene, Ressourcenebene, Die Ebenen verbinden). Literatur: Joseph Rieforth (Hrsg.), Triadisches Verstehen in sozialen Systemen. Gestaltung komplexer Wirklichkeiten, Carl-Auer Verlag.